So, die letzte Etappe ist vorbei, ab jetzt ist mehr oder weniger alles Rueckreise. Die Woche in Australien habe ich gestrichen, weil ich keine Lust habe, noch ein Land und noch eine Stadt zu organisieren - die Zeit hier totzuschlagen war nicht gerade das Problem. Mein Rueckflug nach Deutschland kommt nach wie vor am 21. nachmittags an.
Nach dem Uebersetzen zurueck aufs Festland gings der Kueste entlang nach Dunedin, das nicht nur den gaelischen Namen von Edinborough hat, sondern auch den Stadtplan (obwohl der hier nicht zur Geographie passt). Auf der Fahrt dahin wars auch ganz nett:

Direkt neben Dunedin auf der Otago Peninsula kann man die seltenen Yellow Eyed Penguins sowie Sea Lions, Fur Seals und Albatrosses sehen, sogar von recht nah.

Der naechste Stop (unterwegs sah es so aus

)
in Lake Tekapo am Lake Tekapo war mal wieder recht entspannt. Der
Gletschersee sieht wegen des darin schwebenden Steinmehls tuerkisgruen
aus und ausserdem wachsen lustige Baeume direkt im See.

Um den See gibt es einige schoene Walks, vor allem einen auf den Mt. John, auf dem sich das suedlichste Observatorium das irgendein andere Kriterium auch noch erfuellt der Welt befindet - Lake Tekapo ist beruehmt fuer seine klaren Naechte. Der Blick vom Mt. John:


Entsprechend klar wars auch nachts. In die kleine Cam kommt zwar nicht genug Licht (und ich kann sie nicht auf mehr als 15sec exposure einstellen) um alle mit blossem Auge sichtbaren Details abzubilden, aber so in etwa sieht das aus (3 Bilder leicht um den Suedpol gedreht und zusammenaddiert):

Man sieht mehr von der Milchstrasse als von der Nordhalbkugel, von wo man nur einen Zipfel zu Gesicht bekommt. Rechts im Bild die Grosse Magellansche Wolke. Wenn man das naechtliche Panorama so klar sieht bekommt man ploetzlich ein Gefuehl dafuer, wo wir uns in der Galaxie befinden und wie man aus der grossen Scheibe heraus "runter" auf die Magellanschen Wolken blickt, ein Bild das sich nicht sichtbar veraendert hat seit Schrift existiert. Puh. Ausserdem hatten wir noch das unglaubliche Glueck, das hier zu sehen:

Aurora Australis! Von einem Punkt so weit suedlich wie Mailand noerdlich ist. Die Leute vom Observatorium haben die letzten 5 Jahre darauf gewartet. Allerdings sieht man mit blossem Auge die Farben nicht, das Licht ist zu schwach um Farbensehen zu ermoeglichen. Vermutlich wuerden wir sowas in Deutschland auch manchmal sehen, wenn unser Himmel nicht so sehr voller Wassertroepchen, Staub und Licht waere.
Nach einem Zwischenstopp in Christchurch bin ich mit dem TranzAlpine nach Arthur's Pass gefahren, ein Dorf mitten in den Southern Alps. Die Zugfahrt selbst gilt auch schon als Attraktion und viele Touris fahren einfach einmal quer ueber die Alps und zurueck.

Ich wollte aber noch ein letztes mal etwas rumlaufen und hab an dem einen meiner zwei Tage hier den Avalanche Peak bestiegen, nur um oben auf dem Gipfel einen Kea zu treffen (Papagei, bedroht, NZ-endemisch, neugierig), vor dem wir dann unser Essen erfolgreich verteidigt haben.

Den Berg noch deutlich in den Fuessen spuerend bin ich dann in Kaikoura angekommen, meinem letzten Stop im Land, an dem ich nicht schon vorher war. Kaikoura liegt direkt an einem 1km tiefen Meeresgraben, ueber den allerlei Getier sehr nahe an die Kueste kommt, essbares wie beobachtbares. Pods von 300 Delphinen, die ums Boot herum schwimmen und Saltos schlagen sind hier normal und Pottwale wohnen auch in der Bucht.
Einen Tag habe ich mir noch damit vertrieben, auf einem mehr oder weniger offiziellen Pfad die zum Dorf gehoerige Halbinsel zum umwandern, wobei ich mehrmals fast umgedreht waere, weil ich fast keinen Pfad mit ausreichendem Abstand zu den Seehunden gefunden haette. Belohnt wird man mit schoenen Kreidefelsformationen.

So, das wars wohl mit den Bildern.
Eine recht wichtige Beschaeftigung moechte ich aber nicht veschweigen: ich hab fuer meine Verhaeltnisse recht viel gelesen und reviewe die Buecher deshalb der Vollstaendigkeit halber mal kurz:
The Catcher in The Rye von J.D. Salinger habe ich nicht zu Ende gelesen, nach der Haelfte wurde es einfach zu schmerzhaft. Urgs. Nicht lesen.
Der Alchimist von Paulo Coelho ist ein gemuetliches kleines Buch fuer ein oder zwei Nachmittage mit netter aber nicht besonders tiefschuerfender Message.
Fool on the Hill von Matt Ruff habe ich in einem Homestay auf Bali mitgenommen, im Austausch fuer die beiden Beucher darueber. Anders als es der Name vermuten laesst war es die deutsche Uebersetzung. Sehr locker geschrieben, lustiger wirrer Plot, diskordianisch-bohemisch angehaucht, romatisch. Wer "mal was anderes lesen" will... Hat Spass gemacht.
Nation von Terry Pratchett hatte ich zum Geburtstag bekommen und ist kein Discworld-Roman und enthaelt nicht den typischen Pratchett-Wortwitz und -Humor, auf den ich nach drei Buechern Scheibenwelt auch ganz gut verzichten kann. Kein allzu interessanter Plot, aber gut erzaehlt.
The Reality Dysfunction von Peter F. Hamilton habe ich in Eile gekauft, nachdem ich Diamond Age von Neal Stephenson in einem Buchladen in Auckland gekauft und wohl zu lange unbeaufsichtigt im Hostel gelassen hatte... womit ich sicher gluecklicher gewesen waere. Space Opera der uebelsten Sorte: Man hoert die ganze Zeit den Autor sprechen wenn er von seiner Welt erzaehlt die er sich ausgedacht hat (zugegebenermassen, es sind einige nette Ideen darin), anstatt die Charaktere. Die Story ist recht esoterisch und nicht besonders interessant, die Spannung wird eher durch typische Thriller-Elemente erzeugt. Baeh. Und es ist nur der erste Teil einer Trilogie.
Von Look to Windward von Iain M. Banks wusste ich schon dass es gut sein wuerde und wurde nicht enttaeuscht. Es ist Teil des "Culture"-Zyklus, einer Ansammlung von Romanen die man in beliebiger Reihenfolge lesen kann und die hoechstens mal als Anekdote Charaktere oder Orte teilen. Jedes Buch beschaeftigt sich ein wenig mit einem anderen Aspekt der Culture, sodass man Stueck fuer Stueck sein Bild zusammensetzen kann. Das muss man ohnehin die ganze Zeit, weil man durch die Handlungen und Aussagen der Charaktere sein Bild der Welt zusammenbastelt. Genug zum Nachdenken, nicht-platter Humor und generelle Awesomeness machen es fast so gut wie Use of Weapons von demselben Autor :)
Vermutlich in Queenstown habe ich mir Anathem von Neil Stephenson gekauft. Selten liest man Buecher, in denen man Teile seines Studiums, verpackt in der Philosophie/Wissenschaft eines Paralleluniversums, wiederfindet. Sehr sehr schoenes Setting, manchmal etwas flache Charaktere, ebenfalls genug zum Nachdenken, nur das Ende hat mir nicht so gepasst. Trotzdem sehr gute Speculative Fiction.
Im Book Exhange in Dunedin habe ich das dann gegen das deutlich duennere The Picture of Dorian Gray von Oscar Wilde getauscht. Hat mir gut gefallen und die Wissensluecke endlich gestopft.
Anschliessend habe ich 2001: A Space Odyssey von Arthur C. Clarke gelesen. Untypischerweise ist der Film keine Buchverfilmung und auch das Buch keine Filmverbuchung, sondern beide sind parallel entstanden. Umso verwunderlicher ist die grosse Anzahl an Unterschieden, die aber vor allem im Detail liegen und nicht im Geiste. Vor allem versteht man nach der Lektuere des Buches etwas besser, was das komische Zeug im Film soll :) Liest sich recht locker und schnell und sollte man vermutlich gelesen haben. Spass machts auch.
Zufaelligerweise bin ich direkt danach in einem Secondhand-Buchladen ueber 2010: Odyssey Two von demselben Autor gestolpert, das ich natuerlich mitnehmen musste. Nicht ganz so schoen wie das erste, aber mit interessanterem Plot. Faengt verwirrenderweise da an, wo der Film aufgehoert hat, nicht da wo das Buch aufhoert. Bloed, wenn man grade das Buch gelesen hat. Hat aber ebenso gefallen.
Gerade bin ich auf halbem Weg durch Excession von Iain M. Banks, ebenfalls ein Culture-Roman. Es ist auf jeden Fall nochmal ein Stueckchen komplizierter als die anderen die ich schon gelesen habe und war mir zwischendurch etwas zu konfus.
Frisch gekauft habe ich eben Zen and the Art of Motorcycle Maintenance von Robert M. Pirsig. Liest sich bisher ganz gut und wird mich wohl auf den 10h Busfahrt, 20h Flug und 20h Aufenthalt in Melbourne unterhalten muessen. Vielleicht sollte ich noch eins kaufen?
Edit: Mein Flug EK0045 kommt am 21.4. um 13:15 in Frankfurt an - theoretisch. Je nachdem ob sich die Aschewolke verzieht oder nicht...
So, das wars dann wohl. Kein Fazit ;)
Ich freu mich euch alle und auf deutsches Brot.
Edit 2: Emirates sagt mir dass mein Flug "not yet cancelled" ist... :)
Im Moment sieht es nach zwei Wochen Australienurlaub aus: Sie haben mir einen Flug am 5. Mai angeboten. Ich habe abgelehnt und gehe das Risiko ein, morgen in Melbourne dann nur noch einen am 8. Mai oder sowas zu bekommen - mit der (sehr kleinen) Chance, dass mein Originalflug durchkommt. Ich stelle mich mal so langsam auf Australien ein...